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28.07.2010 | 20:15 Uhr

Kritik am „fliegenden Wechsel“

Vereine haben Rückwechseln mehrheitlich gewollt / Auch bei Pokalspielen erlaubt

FUSSBALL - Bei ihrem Verbandstag am vergangenen Wochenende (wir berichteten) haben die bayerischen Fußballer einen Beschluss abgesegnet, der jetzt für mächtig Wirbel an der Basis sorgt. Es geht um das so genannte Rückwechselrecht, eine Art „fliegender Wechsel“, wie es ihn so ähnlich auch beim Handball oder Eishockey gibt.

Bei Meisterschaftsspielen von der B-Klasse bis einschließlich zur Kreisliga dürfen Spieler ab sofort beliebig oft ein- und wieder ausgewechselt werden. Die Zahl der eingewechselten Akteure beschränkt sich dabei wie bisher auf drei (im nicht aufstiegsberechtigten Spielbetrieb auf vier!), obwohl im Spielberichtsbogen weiterhin mehrere Auswechselspieler benannt werden können.

Wie bisher dürfen also bis zu 14 (15) Aktive an einem Verbandsspiel teilnehmen, wobei der „fliegende Wechsel“ beliebig oft vollzogen werden kann. Dies muss während einer Spielunterbrechung geschehen und die Auswechslung muss dem Schiedsrichter gemeldet werden.

Diese neue Regelung gilt übrigens (anders als beim Verbandstag verkündet und entsprechend berichtet) auch für Pokalspiele. Und hier sogar ebenfalls für Vereine der Bezirksliga und der Bezirksoberliga.

Bei den betroffenen Vereinen und Spielern sorgt die ab sofort geltende, neue Regelung für Aufregung. „das ist Schwachsinn“ und „so macht man den Fußball auf Kreisebene“ kaputt“, sind nur zwei der teils drastischen Kommentare, die man derzeit in einschlägigen Internet-Foren lesen kann. Es werde mit der Gesundheit der Aktiven gespielt und Wettbewerbsverzerrungen Tür und Tor geöffnet.

Sorgen macht vielen vor allem die Möglichkeit, Spieler dann einzuwechseln, wenn sie für die aktuelle Spielsituation von Nutzen sein können, beispielsweise bei Freistößen oder Elfmetern. Auch Spielverzögerungen werden befürchtet. So könne die führende Mannschaft nach Belieben vom Wechselrecht Gebrauch machen, um das Ergebnis über die Runden zu bringen.

Bei Junioren schon praktiziert

Allerdings gibt es auch Befürworter der neuen Regelung, die sich im Juniorenbereich ja bereits bewährt habe. Vor allem Vereine mit dünner personeller Spielerdecke könnten davon profitieren.

Marc Reinmüller, Spielertrainer des Kreisligisten TSV Scherneck, kann der neuen Regel nichts abgewinnen. „Ich halte das für absolut nicht sinnvoll. Das wird den Spielfluss beträchtlich stören. Als Spielertrainer ist man dabei außerdem im Nachteil. Man hat ja keine Uhr dabei. Von außen kann man dann besser steuern. Wenn man solche Regeln in die Welt setzt, sollte man vorher vielleicht mal die Leute fragen, die davon betroffen sind.“

Josef Janker, der Vorsitzende des Spielausschusses des Bayerischen Fußballverbandes (BFV), zeigt sich überrascht über die negativen Reaktionen: „Der Verband spricht ja mit seinen Vereinen. Bei den 24 Kreistagen haben sich etwa zwei Drittel der Klubs dafür ausgesprochen. Ziel des Ganzen ist, der demografischen Entwicklung auch im Fußball Rechnung zu tragen.“

Auch sein Präsident Dr. Rainer Koch kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Der Grund für die Änderung war, dass es für die kleinen Vereine immer schwieriger geworden ist, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten“, erklärt der BFV-Boss.

Dinkel versteht Aufregung nicht

Der heimische Kreisspielleiter Helmut Dinkel versteht die Auftregung der Kritiker gleichsam nicht. „Bei den Kreistagen haben sich die Vereine mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen. Diejenigen, die jetzt Kritik üben, müssen sich also an die eigene Nase fassen oder sich fragen, ob sie die richtigen Delegierten zu den Tagungen geschickt haben.“

Die Statistik gibt dem Kreisspielleiter recht. So votierten bei den drei Tagungen der drei oberfränkischen Spielkreise 63,2 Prozent der anwesenden Fußballfunktionäre für eine Einführung des Rückwechseln, 8,6 Prozent enthielten sich und 28,2 Prozent waren dagegen. Nicht unerwähnt lassen darf man jedoch, dass im Spielkreis Coburg/Lichtenfels/Kronach die Gegnerschaft mit 43,6 Prozent (bei 47,9 Prozent Zustimmung) eine der größten in ganz Bayern war.

Helmut Dinkel räumt ein, dass Wettbewerbsverzerrungen oder Spielverzögerungen nicht auszuschließen seien, aber „die Handhabung der neuen Regel liegt im Zuständigkeitsbereich der Schiedsrichter. Die sind jetzt gefordert, mögliche Auswüchse zu verhindern.“

KSO Klerner: „Probleme möglich“

Ob das so einfach wird, dessen ist sich Kreisschiedsrichterobmann Wolfgang Klerner aus Lichtenfels keineswegs sicher. „Das kann schon zu Problemen führen. Bei Spielverzögerungen gibt es die Regel: Verlorene Zeit muss nachgespielt werden, vergeudete Zeit, etwa bei einer Mannschaft im Rückstand, nicht. Aber jeder Schiedsrichter legt andere Maßstäbe an. Das haben wir ja bei der WM deutlich gesehen.“

Auf Kreisebene werde sich das aber irgendwann einspielen. „Im Juniorenbereich, wo es die Regel schon länger gibt, habe ich von keinen gravierenden Problemen gehört.“ Man müsse jetzt natürlich auch an die Vereine appellieren, verantwortungsbewusst mit der neuen Regel umzugehen. „Letztlich wird die Praxis zeigen, ob sich der fliegende Wechsel bewährt.“ -red/fg-



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