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30.07.2010 | 19:00 Uhr | Autor: Von Stefan Lommatzsch

Baumsterben durch Mobilfunk-Antennen?

Dr. Cornelia Waldmann-Selsam ist sich sicher: Die hochfrequenten Strahlen sind nicht nur für den Menschen schädlich

Von Stefan Lommatzsch

BAD STAFFELSTEIN - Das Signalgeräusch des Hochfrequenz-Analysers in der Hand von Dr. Cornelia Waldmann-Selsam nimmt deutlich an Lautstärke und Frequenz zu, als sich die bundesweit bekannte Mobilfunkkritikerin damit den Bäumen an der Lauter von der Adam-Riese-Halle her nähert. Für die nicht mehr praktizierende Medizinerin besteht kein Zweifel: Die unregelmäßigen Schäden im Kronenbereich der einst stattlichen Gewächse sind die Folge der hochfrequenten Strahlung, die vom gut sichtbaren Mobilfunkmasten bei der Post in deren Richtung ausgesandt wird.

Für die Bambergerin steht damit nach vielen Jahren der Feldforschung der endgültige Nachweis fest: Wenn diese Strahlung Bäume, die in ihrem Einflussbereich stehen, derart schädigen kann, dass sie manchmal sogar binnen kurzer Zeit absterben, liegt es auf der Hand, dass auch der Mensch nicht vor gesundheitsschädlichen Strahlungs-Auswirkungen gefeit ist.

„Der Mobilfunk muss weg.“ Dafür setzt sich die 59-Jährige seit vielen Jahren auch mit provokanten Thesen ein: „Die Leute krepieren in der Nähe der Mobilfunkmasten.“ So habe sie beispielsweise auch in einigen Gemeinden am Obermain - namentlich Michelau - nachweisen können, dass Menschen, die im Einflussbereich der hochfrequenten Strahlung wohnen, häufiger und schwerwiegender an Krebs erkranken.

Ihre Erklärung: Die von den Mobilfunkmasten ausgesandte, hochfrequente Strahlung - besonders die der UMTS-Frequenzen - breite sich zwar in einer Hauptstrahlrichtung aus, werde aber von Oberflächen, wie beispielsweise Hauswänden, reflektiert und sogar gebündelt. Quintessenz: Die Strahlung kann überall und nirgends sein, lediglich dicke Mauern aus Beton brächten tatsächlichen Schutz für Mensch, Fauna und Flora.

Die Mobilfunkkritikerin trägt im Freien stets eine spezielle Strahlungsschutzkappe, nur so könne sie sich überhaupt im Einflussbereich der Funkwellen konzentrieren.

Zuhause bewohne sie nur ein Zimmer auf der dem Strahlungseinfluss abgewandten Hausseite. Dass die Mobilfunk-Strahlung negative Auswirkungen auf den menschlichen Organismus habe, liege auf der Hand. Schließlich seien diese schon am Beispiel der niederfrequenteren Radiowellen vor 50 Jahren anhand zahlreicher Symptomatiken zweifelsfrei nachgewiesen worden. Die Auswirkungen der modernen Mobilfunkfrequenzen im Bereich von 800 bis 2500 Megaherz seien ungemein gefährlicher. Lobbyarbeit und Ignoranz hätten aber dazu beigetragen, dass damalige und aktuelle Studien bisher nicht ernst genommen würden, so Waldmann-Selsam.

Wer im Einfluss des Strahlungsbereichs einer Mobilfunkantenne lebe, könne dies anhand zahlreicher Symptome feststellen, erklärt die 59-Jährige. Nur wüssten eben die meisten Betroffenen nichts vom Ursprung ihrer körperlichen und mentalen Unbill. Kopf- und Gliederschmerzen gehören genauso zum umfangreichen Leidensspektrum, welches die Ärztin in über 2000 Patientenbefragungen nachgewiesen haben will, wie im schlimmsten Fall ein Krebsleiden. „Wenn sie Kopfschmerzen haben oder sich ständig ausgelaugt fühlen und nicht mehr klar denken können, dann schlafen sie einfach einmal ein paar Tage im Keller, dort sind sie von der Strahlung abgeschirmt und es geht ihnen gleich besser“, rät die Ärztin im Unruhestand zum Selbstversuch.

„Verstrahlte Ärzte“

Warum diese so offensichtlichen Zusammenhänge in Mediziner-Kreisen keine entsprechende Würdigung fänden? „Weil auch die meisten Ärzte unter den Auswirkungen der Strahlung leiden und dadurch nicht mehr klar denken können.“ Auch die zusätzlichen Strahlungsquellen in medizinischen Geräten in den Kliniken seien zu bedenken, fügt sie an.

Zahllose Schreiben an Ministerien und Behörden hatte sie schon verfasst, sie ist Vorsitzende der mobilfunkkritischen „Ärzteinitiative Bamberger Appell“ und bei vielen Podiumsdiskussionen zum Thema im gesamten Bundesgebiet und im benachbarten Ausland im Einsatz. Auch in ihrer Zeit als Bamberger Stadträtin der Grünen Alternativen Liste (GAL) hat sie sich für das Thema stark gemacht. Ihr Mandat hat sie inzwischen niedergelegt, ihr mobilfunkkritisches Engagement lasse ihr keine Zeit mehr dazu. Bisher seien ihre Warnrufe oft mit lapidaren Aussagen abgetan worden. „Kein Handlungsbedarf“ heißt es in den Antwortschreibens des Umweltministeriums, die sie vorlegt. Ihre Forschungsmethoden werden kritisiert. Die „Mobilfunkgeschädigten“ würden durch ihre subjektiven Befragungsmethoden gezielt beeinflusst, zu viele Faktoren blieben unberücksichtigt, willkürliche Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung würden hergestellt, aber nicht wissenschaftlich fundiert begründet.

Seit einigen Jahren ist sich Waldmann-Selsam aber sicher, endlich die Nachweismöglichkeit der Strahlengefahr gefunden zu haben und die Welt vom Mobilfunk befreien zu können.

Ihrer Meinung folgend besteht ein zwingender Zusammenhang zwischen Fehl- und Missbildungen an Bäumen und Sträuchern, die dem Hauptstrahlungs- oder Reflexionsfeld der Mobilfunkantennen ausgesetzt sind. Binnen kürzester Zeit würden sich an Bäumen die im Einzugsbereich neuer Masten stünden inhomogene, also unregelmäßige Blattschäden zeigen. Sie legt dazu Karten, in welche sie die Hauptstrahlrichtungen der jeweiligen Masten einzeichnet und Bäume mit Schäden in deren Einflussbereich dokumentiert, vor. „Strahlendes“ Negativbeispiel seien die angesprochenen Bäume an der Lauter bei der Adam-Riese-Halle. Ihre Kronen sehen wirklich nicht gerade gesund aus, vor allem auf der Seite, die zum Mobilfunkmast bei der Post zeigt.

Eine interessierte Passantin, die sich über das Geschehen und den Zweck des Hochfrequenz-Analysers in der Hand der Mobilfunkkritikerin informiert, strahlt denn aber mit ganz banalem Wissen: „Der Arm der Lauter, auf dessen Seite die Kronen dürr sind, war wegen den Baumaßnahmen bei Hochwasserschutz einmal lange trockengelegt. Bestimmt sind dabei auch die Wurzeln geschädigt worden.“

In die Baumschule

Ein Rückschlag, der die Mobilfunkkritikerin Waldmann-Selsam aber nicht aufhält. Sie möchte den Vorschlag aufgreifen, nun Baumschul-Kulturen in Hauptstrahlrichtung der Antennen ins Visier des Hochfrequenz-Analysers zu nehmen - dort ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass den Gewächsen einfach mal das Wasser abgegraben wird.




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