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30.07.2010 | 19:00 Uhr | Autor: Von Birgid Röder

Altstadtfest die reine Augenweide

Historische Meile ein Besuchermagnet / Für jeden Musikgeschmack etwas im Angebot / Auch kritische Stimmen

Von Birgid Röder

BAD STAFFELSTEIN - „Wir haben es gemeinsam erreicht, dass die Leute wieder sagen: Es lohnt sich nach Bad Staffelstein zum Altstadtfest zu kommen“, sagt Theo Wittmann, Vorsitzender der Adam-Riese-Werbegemeinschaft.

Die Stadt Bad Staffelstein mit Markus Alin vom Kur und Tourismus Service, Alexander Krappmann als Spezialist für mittelalterliches Markttreiben, Theo Wittmann und vielen Ehrenamtlichen hat dem Spektakel ein neues Gesicht verliehen, in dem die historische Meile rund ums Rathaus im Mittelpunkt steht. Während Alin der Ansprechpartner in der Stadt in Sachen Altstadtfest ist, kümmert sich die Familie Wittmann vorrangig um die Ausstattung der Bürger mit historischen Gewändern. Und so sind die „Nachwehen“ des Festes noch einige Tage lang zu spüren. Nach und nach trudelten die Kleider, Jacken und Kopfbedeckungen wieder im Hause Wittmann ein. Wenn alles abgeliefert ist, transportieren sie die prächtige Fracht zurück in den Theaterfundus nach Bamberg. Weiter organisiert Theo Wittmann traditionell die Suppenausgabe nach der Stadtbegehung am Samstag. Und auch hier ist es nicht mit der Bestellung getan. Suppe und Getränke müssen erst ausgeteilt, Flaschen wieder eingesammelt, Krüge gespült werden. Erst am Donnerstag, wenn dann noch die Suppenkessel wieder beim Roten Kreuz abgegeben wurden, hieß es für Karin und Theo Wittmann: Das Altstadtfest 2010 ist vorbei.

Richtig viele Leute in der Stadt

Von einer richtig freundlichen Atmosphäre sprach Bürgermeister Jürgen Kohmann. Er habe nahezu ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten.

Neben vielen Einheimischen seien ihm unheimlich viele Gäste, Urlauber und Tagesbesucher aufgefallen. Kohmann hat erfreut festgestellt, dass auch am Sonntagnachmittag keine Flaute bei den Besucherströmen eintrat. Optisch und rhythmisch sei die Band Furunkulus etwas Besonderes gewesen, die in das Umfeld des mittelalterlichen Treibens gut gepasst hätte. Und wer sich nicht für diese spektakuläre Musik begeistern konnte, der hätte ja an vielen weiteren Stationen Unterhaltung gefunden, von der Bahnhofstraße über den Markthof bis zum Staffelsteiner Hof.

Als am Sonntagabend das Feuerwerk über dem Stadtturm seine Funken versprüht, da atmete der Bürgermeister dennoch auf: „Es ist nicht selbstverständlich, dass alles gut geht.“

Die Polizei sprach von einem relativ ruhigen Wochenende, eine Sachbeschädigung und eine Körperverletzung bei einer so großen Veranstaltung, das halte sich im Rahmen. Nach einer Schlägerei am Eremitenkeller wurde einem 17-Jährigen von Polizeibeamten ein Platzverweis erteilt. Da er sich nicht beruhigte, wurde der Jugendliche vorübergehend in Gewahrsam genommen. Bei einer Rangelei vor der Gaststätte Adam Riese hatten sich die Unruhestifter bis zum Eintreffen der Polizei schon aus dem Staub gemacht.

Ein negatives Resumee zog jedoch Apollonia Bulheller, die Wirtin des Gasthofes Adam Riese. Seit sich rund um das Rathaus der mittelalterliche Bereich befindet, habe sich ihr Umsatz am Altstadtfest deutlich verringert. Die Bahnhofstraße entwickle sich zur Feiermeile, die Besucher der Gaststätten am Marktplatz würden dagegen abends Stimmungsmusik vermissen. „Das Mittelalterliche ist tagsüber in Ordnung, wenn die Familien mit ihren Kindern hier sind und die Gäste sich umschauen. Aber abends wollen die Leute lachen und Spaß haben“, sagte die Wirtin. Und dafür sei die Musik auf dem Marktplatz gar nicht geeignet gewesen. Ihre Gäste hätten durch den neuen Standort der Bühne nichts von der Band Furunkulus gesehen und nur das Wummern der Trommeln gehört. „Direkt vor der Bühne war zwar Stimmung, doch viel zuwenig Platz“, so Bulheller.

Mehr Pflichten als Rechte

Auch bei dem wirklich tollen Feuerwerk seien nicht mehr so viele Menschen wie sonst auf dem Marktplatz gewesen. „Wir Anlieger müssen unsere Bänke dekorieren, unsere Mitarbeiter ausstaffieren, Platzgebühr bezahlen und haben keinerlei Einfluss auf das Musikangebot“, lautet Bulhellers Kritik. Sie müsse mit sehr spitzer Feder kalkulieren und wisse noch nicht, ob sich die Teilnahme für sie überhaupt noch lohne.

Eine Anregung für die Zukunft hatte sie noch parat: Auf dem Marktplatz sollte verstärkt auf Gastlichkeit Wert gelegt werden und dazu mehr Bänke und Sonnenschirme aufgestellt werden. Die Stadt Kronach besitze beispielsweise helle, neutrale Sonnenschirme ohne Werbeaufdruck, die bei jeder Veranstaltung eingesetzt werden können.


Viele Altstadtfest-Fans haben sich in prächtige Gewänder gehüllt.


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