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30.07.2010 | 19:00 Uhr | Autor: Von Roger Martin

Stadtrat soll im September entscheiden

Fachmarktzentrum: Fristen für neue Stellungnahmen gesetzt / Regus: Auflagen erfüllt / Müller will expandieren

Von Roger Martin

LICHTENFELS - Die Stadt Lichtenfels will eine Entscheidung über das geplante Fachmarktzentrum in der Mainau offenbar jetzt zügig herbeiführen. Wie Erste Bürgermeisterin Dr. Bianca Fischer dem OT auf Nachfrage sagte, sollen die betroffenen Verbände und Organisationen bis 10. August zur geänderten Planung für das Mainau-Projekt Stellung nehmen. In der Juli-Sitzung des Stadtrats war der neue Planentwurf erstmals öffentlich präsentiert worden. In der September-Sitzung soll der Stadtrat entscheiden, ob dieser Entwurf in ein Bebauungsplanverfahren münden soll.

Während die Stadträte mit ihren Fraktionen seit der Präsentation des abgeänderten Projekts ihre Positionen abklären, sind auch die Einzelhändler und die Werbegemeinschaft „Treffpunkt“ sowie auch das Industrie- und Handelsgremium Lichtenfels gebeten worden, Stellung zu beziehen. „Wir haben eine Frist bis 10. August gesetzt“, so die Rathauschefin.

Vorgaben der Regierung

Fischer bestätigte auf Nachfrage, dass die Regierung von Oberfranken für die abgespeckte Planung der Gebrüder Regus aus Hallstadt nach mehreren Vorgesprächen mit allen Beteiligten die so genannte „raumplanerische und städtebauliche Zustimmung“ erteilt habe. Nach den ersten Planungen und einem negativen Gutachten der CIMA, des Münchner Kompetenzzentrums für Stadt- und Regionalentwicklung und für Marketing, hatte die Regierung diese Billigung noch verwehrt.

Die Bürgermeisterin betonte erneut, dass die Zustimmung der Regierung in Bayreuth an wichtige Auflagen gebunden sei, mit der vor allem die Verträglichkeit der Planungen in der Mainau mit den Bedürfnissen und Interessen der Innenstadt gesichert werden müsse: Dazu gehöre die Einführung eines so genannten City-Managements in Lichtenfels, was mit Hilfe eines City-Managers möglich sei.

Im Stadtrat wurde über diese Position bereits kurz diskutiert. Es gab Zustimmung für eine solche Personalentscheidung, aber auch die klare Ansage, dass ein solcher Posten zunächst nur zeitlich befristet geschaffen werden könne. Die Aufgabe eines City-Managers in Lichtenfels liege vor allem in einer breit angelegten Vermarktung der Innenstadt. Fischer sprach in diesem Zusammenhang von einer „Marketingoffensive“. Eine weitere Bedingung der Regierung sei die bereits viel diskutierte Verbesserung der Anbindung der Mainau an die Innenstadt. Hier gebe es, so die Rathauschefin, konkrete Überlegungen, den Bereich Coburger Straße und Bahnunterführung attraktiver und kundenfreundlicher zu gestalten. Fischer meinte, die Unterführung dürfe nicht als abschreckende oder unfreundliche Verbindung schlecht geredet werden.

Allerdings müsse nach Möglichkeiten gesucht werden, die mit der jetzigen Situation verbundenen Hemmnisse für eine optimale Anbindung des Bereichs jenseits der Unterführung mit der Kernstadt zu überwinden. In diesem Zusammenhang seien Vorschläge wie Tempolimit oder Einbahnstraßenregelung durchaus diskussionswürdig.

Michael Regus aus Hallstadt, Investor des geplanten Fachmarktzentrums, hat in einer Mitteilung an unsere Zeitung unterdessen betont, dass der jetzige Planentwurf für das Fachmarktzentrum in der Mainau exakt den Vorgaben entspreche, die die CIMA in ihrem Gutachten an ein solches Projekt gestellt habe.

Gegenüber den ersten Planungen sei der Umfang der Verkaufsfläche von 11500 auf 8773 Quadratmeter verringert worden. Die Zahl der Geschäfte sei von ursprünglich 30 auf jetzt 17 reduziert worden. Die zunächst geplante Mall mit Verweilmöglichkeiten sei komplett weggefallen. Auch die Mieterstruktur sei angepasst worden. „Von der jetzigen Verkaufsfläche werden zudem deutlich über 2000 Quadratmeter von Geschäften belegt, die bereits jetzt in Lichtenfels und hier weit überwiegend nicht in der Kernstadt ansässig sind“, so Regus weiter. Das Fachkaufhaus Müller, das ebenfalls Interesse für das Fachmarktzentrum angemeldet habe, sei hierbei nicht mitgerechnet.

Auf Nachfrage unserer Redaktion teilte Gerrit Linneweber von Müller Ltd in Ulm mit, dass das Unternehmen in Lichtenfels bleiben möchte, aber am jetzigen Standort in der Innenstadt räumlich zu stark eingeschränkt sei.

Mit lediglich 400 Quadratmetern, verteilt auf zwei Stockwerke, sei nicht mehr zeitgemäß zu wirtschaften. Der Handel und die Ansprüche der Kunden hätten sich in den vergangenen Jahren gewandelt.

Müller will 1000 Quadratmeter

Müller halte Ausschau nach mindestens 1000 Quadratmetern im Erdgeschoss. Diese Erweiterung wäre in Lichtenfels nur im geplanten Fachmarktzentrum möglich, so Linneweber. Es gebe aber im „Umfeld“ weitere „Projektentwicklungen“, in denen eine erweiterte Filiale denkbar sei.

Linneweber: „Bevorzugt würden wir uns in Lichtenfels ansiedeln, sollte dieses verwehrt werden, sehen wir uns leider gezwungen, auf genehmigungsfähige Standorte im Umland auszuweichen“. Auf Nachfrage des OT sagte Linneweber weiter, dass er eine Erweiterung der Müller-Kaufhaus-Filiale in der Innenstadt von Lichtenfels für nicht möglich halte. Dies bedeute im Klartext, dass „der derzeitige Standort, unabhängig von der Entscheidung für eine Filiale im neuen Einkaufszentrum, geschlossen werden wird“. Der Mietvertrag für den Innenstadt-Standort sei so gestaltet, dass dieser per Jahresfrist kündbar sei.

Kräftiger Steuerzahler

Michael Regus teilte dem OT weiter mit, dass die Metro-Gruppe kürzlich grünes Licht gegeben habe, in Lichtenfels im geplanten Fachmarktzentrum eine Media-Markt-Filiale zu eröffnen. Nach seinen Informationen werde das Unternehmen diese Niederlassung so einschreiben, dass die Gewerbesteuer auch in Lichtenfels abgeführt werde. „Der Stadt und den Bürgern winken satte Mehreinnahmen“, so Regus.

Der Investor bezeichnete die Aktion der innerstädtischen Einzelhändler, die kürzlich ihre Geschäfte verdunkelten, um auf die in ihren Augen fatalen Folgen des Mainau-Projekts für die Innenstadt aufmerksam zu machen, als „Ablenkungsmanöver“. Bei dem Mainau-Projekt gehe es um die Interessen der ganzen Stadt und der Bevölkerung.

Erneut zeigte sich Regus überzeugt, dass auch die Innenstadt vom geplanten Fachmarktzentrum profitieren werde. Die angestrebte Zusammenarbeit in einer übergreifenden Werbegemeinschaft des LIFE-Centers und der übrigen Geschäftswelt in Lichtenfels sei dazu ein optimales Instrument.




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